Wann ist Psychotherapie sinnvoll?

F. Segale, 16. Jhd.Allgemein

Psychotherapie ist sinnvoll, wenn Sie sich in ihrer persönlichen Entwicklung stagnieren fühlen, über längere Zeit unglücklich oder traurig sind, ohne den Grund zu kennen; ebenso bei körperlichen Symptomen ohne nachweisbaren organischen Befund (wie z.B. Angstanfällen, Depression, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen) sowie psychosomatischen Krankheitsbildern mit organischem Befund (wie z.B. Asthma bronchiale, Magengeschwür, Eßstörungen, Allergien, psychogenes Erbrechen u.a.).

Der Mensch ist immer Psyche und Physis zugleich,
Entwicklungen auf seelischer und körperlicher Ebene
können nur analog verstanden werden und
haben ihre Entsprechungen in beiden Bereichen.



Speziell

am Beispiel Depression
Quelle: A. Dürer, Melencolie, 1514Depression ist eines der häufigsten Symptome unserer entwurzelten Zeit. Neben all der Qual, die sie mit sich bringt, ist sie jedoch auch eine echte Chance zur Neuorientierung an wahrhaft eigenen - und nicht durch fremde Autoritäten außenbestimmten - Werten.

Nach C.G. Jung ist die dem Menschen normalerweise zur Verfügung stehende Energie im Falle einer Depression in einem unbewußten Konflikt, einem nicht erkannten Problem gebunden. Um zu erkennen, wo bzw. was das eigentliche Problem ist, muß sich die Klientin/der Klient diesem depressiven Zustand stellen um durch die damit verbundenen (oft schmerzhaften) Gefühle ein klareres Bild des Konflikts zu erhalten. Wenn das emotionelle Erkennen des Problems möglich wird, das Bild des bis dahin nicht bewußten Konflikts an Präzision gewinnt, kann die darin gefesselte Energie befreit werden und ist dem Menschen wieder verfügbar. Das Leben kommt wieder "in fluß" ... Ein Stück persönlicher Freiheit ist dazugewonnen, der Mensch hat einen weiteren Schritt in Richtung Selbstbestimmung und inneres Wachstum gemacht.


am Beispiel Angst
Quelle: A. Quellien, Medusawir leben in einer Zeit, die Angst macht. Objektive, gesellschaftliche Bedrohungen wie Kriege und atomare Vernichtungen sind ebenso wie persönliche Schrecken, Verlust der Arbeit, Orientierungslosigkeit, Unsicherheit in Beziehungen und Krankheit gleichzeitig sowohl selbstverständlicher Alltag als auch Tabuthemen geworden.
Die Leistungsgesellschaft toleriert scheinbar große Ängste ihrer Mitglieder nicht - und so verschwinden sie in die unbewußten Bereiche unserer (kollektiven und individuellen) Psyche, quälen und manipulieren, zerstören und sabotieren von dort aus unerkannt unser persönliches Leben, die Zufriedenheit unserer so reichen Nationen, unser offensichtlich großes Glück. Warum sind scheinbar erfolgreiche Menschen so selten glücklich?

Auf gesellschaftspolitischer Ebene reagieren wir mit projizierten Feindbildern und Krieg (auf unsere eigenen Schwächen); im privaten Bereich äußert sich die große Angst häufig im generalisierten Angstsyndrom und pessimistischer Angespanntheit. Panikattacken, schwere Angststörungen und Phobien können hier unbewußt auch als Schild gegen eine als übermächtig-feindlich verstandene Welt dienen. Angst wird zur generellen Lebensangst.

Die zu stellenden Fragen müssen in etwa lauten: Was verhindert meine Angst, was wird durch sie möglich ? Wovor schützt sie mich, ist also auch meine Verbündete, wo steht sie meiner Entwicklung, meiner Lebensfreude im Weg - wird also zu meiner Feindin? Nur wer seine Angst genau betrachtet und nicht in die Vermeidungsspirale verfällt, wird die für unser Leben so wichtige Angst verstehen und für sich zu nutzen lernen. Nur wer nicht flüchtet, sondern ihr standhält, wird sie verwandeln und durch diese Verwandlung selbst authentischer und lebendiger werden können. Die Psychotherapeutin kann Sie dabei begleiten und unterstützen.


am Beispiel Sucht
Quelle: www.uelsmann.comSucht ist Mißbrauch - und ausnahmslos alles kann zur Sucht werden:
Fernsehen, Sex, Spiele, Drogen verschiedenster Art, Arbeit oder Essen, um nur einen kleinen Auszug aus einer endlosen Liste zu nennen.

Jeder Lebensumstand und jede Substanz kann "Objekt" der Rauschsehnsucht werden. Eine vertrocknete Seele kann keine Lebendigkeit erleben, sie zu finden, die innere Langeweile abzutöten, "sucht" man immer neue Mittel, immer extremere Erfahrungen in der Außenwelt. Und wenn nur noch die Gier nach gesteigertem Leben das Denken und Fühlen beherrscht, dann beginnt der Kreislauf der Sucht.

Für Luigi Zoja geht es dem Süchtigen um die Einführung in die Geheimnisse des Lebens. Dies kann auf individueller Ebene ebenso wie auf gesellschafticher stattfinden. Da Initiation in unserer Zeit jedoch keinen Platz mehr findet, gleitet das Bedürfnis danach in unbewußte Ebenen ab bzw. es muß seine Darstellung im individuellen, inneren Raum finden. Ein ursprünglich sakraler Prozeß degeneriert - zumindest in sehr hohem Ausmaß in der "westlichen", industrialisierten Welt.

Die Initiation geht davon aus, daß die Geburt den Menschen in eine unbefriedigende Lage entläßt, die ohne Werte und ohne Transzendenz, geradezu vegetativer Natur ist. Der Zugang zu einer höheren Existenz wird durch Tod und Wiedergeburt erreicht, die beide symbolisch und rituell vollzogen werden.(Zoja)

In der ersten Phase wird die unbefriedigende Ausgangssituation bewußt, der Leidensdruck nimmt zu. Die zweite Phase bedeutet den "Initiationstod". Ein Rückzug aus der bisherigen Welt findet statt, eine Abkehr von der bisherigen Identität, vom früheren Verhalten (das Zoja immer wieder stark durch ein passives Konsumverhalten definiert). Die dritte Phase bedeutet die Wiedergeburt im Initiationsakt, der durch festgesetzte Rituale meist im Beisein anderer (Zeugen) vollzogen wird. In dieser Phase können bewußtseinsverändernde (gesteuerte) Handlungen stattfinden. Alle Phasen müssen bewußt und symbolisch (nicht real !!) ehrlich durchlebt und eben auch durchlitten werden, bevor sie Heilung bringen können.

Quelle: H. Bosch, Garten der LüsteDer Verfall in die Sucht findet vor allem dann statt, wenn die zweite, extrem wichtige, jedoch auch äußerst mühevolle Phase vermieden wird oder nicht symbolisch verstanden werden kann. Durch das Auslassen dieser wichtigen Erfahrung wird Esoterik-, Drogenkomsum und ggf. auch eine Psychotherapie zum ebenso leeren und hohlen Konsumverhalten, wie all jene Handlungen, gegen die der Adept zu protestieren versucht und die er durch die Initiation zu überwinden vorgibt.

Die Zeit, die die Psyche benötigt, eine neue Realität zu erfassen und zu erleben, wird ihr in einer erfolgreichen Psychotherapie gegeben und so kann der nötige Reifungsprozeß stattfinden, darf die Initiation / Individuation zu unserem wirklichen Selbst passieren. Die Therapeutin begleitet die Adeptin / den Adepten auf diesem mühevollen und oft sehr erschöpfenden Weg.