Wörterbuch

Klärung einiger wichtiger Begriffe der Jung´schen Psychologie
Zitate stammen aus C.G. Jung GW, Bd. 6, Walter Verlag 1995



Das Unbewußte

Jung meint mit dem Begriff des Unbewußten all jene psychischen Inhalte, die unserem bewußten Ich nicht verfügbar sind. Dies sind einerseits persönliche, verdrängte, ungeliebte Erfahrungen und Gefühle unseres Wesens, andererseits kollektive, archetypische Eigenschaften, die ihren Ursprung in der Gehirnstruktur haben. Jung spricht hierbei auch von jenen "mythologischen Zusammenhängen", deren Bilder jederzeit neu entstehen können. Da der Mensch immer Teil seiner Spezies ist, sind beide unbewußte Begriffe eng und untrennbar miteinander verbunden.
"Das Unbewußte ist meines Erachtens ein psychologischer Grenzbegriff, welcher all diejenigen psychischen Inhalte oder Vorgänge deckt, welche nicht bewußt sind, das heißt nicht auf das Ich in wahrnehmbarer Weise bezogen sind. (...)". Die Funktion des Unbewußten ist es, unser einseitiges Bewußtsein auszugleichen. "Die kompensatorische Funktion des Unbewußten tritt um so deutlicher zutage, je einseitiger die bewußte Einstellung ist (...)"




Individuation

Quelle: Ulrich Schaffer, Schöne Welt 2003"Die Individuation ist ein Differenzierungsprozeß, der die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit zum Ziel hat. (...) Eine wesentliche Behinderung der Individuation bedeutet daher eine künstliche Verkrüppelung. (...) Da das Individuum nicht nur Einzelwesen ist, sondern auch kollektive Beziehungen zu seiner Existenz voraussetzt, so führt auch der Prozeß der Individuation nicht in die Vereinzelung, sondern in einen intensiveren allgemeineren Kollektivzusammenhang." Die Individuation hat als Prozeß eine sakrale, transzendente Tönung, sie ist als ideales Ziel zu verstehen, das niemals vollkommen verwirklicht werden kann und immer als Prozeß unser Leben begleiten sollte.
Die Notwendigkeit zur Individuation und die gedankliche und emotionelle Hinwendung zu derselben, ist häufig begleitet von symbolhaften Träumen.




Komplexe

sind für Jung die "via regia" zum Unbewußten. Komplexe sind der Definition nach eine Ansammlung von Bildern und Vorstellungen, welche sich um ein (oft unbewußtes) Zentrum gruppieren. Sie sind durch eine äußerst intensive emotionelle Tönung miteinander verbunden und beeinflussen unser Handeln und Fühlen in größtem Ausmaß.
Komplexe sind natürliche Phänomene, welche sich sowohl in positiven als auch negativen Linien entwickeln. Wenn es dem Ich gelingt, eine bewußte Beziehung zu seinen Komplexen herzustellen, tragen sie wesentlich zur Vielfalt und zum Erlebnisreichtum unserer Persönlichkeit bei.
Komplexe können auch als eine Art autonome Teilpersönlichkeiten verstanden werden, welche miteinander in Dialog stehen.




Schatten

Quelle: InternetJung definiert den Begriff 1945 als das, was der Mensch nicht sein möchte.
"Jedermann ist gefolgt von einem Schatten, und je weniger dieser im bewußten Leben des Individuums verkörpert ist, umso schwärzer und dichter ist er. Wenn eine Minderwertigkeit bewußt ist, hat man immer die Chance, sie zu korrigieren. Auch steht sie ständig in Berührung mit anderen Interessen, sodaß sie stetig Modifikationen unterworfen ist. Aber wenn sie verdrängt und aus dem Bewußtsein isoliert ist, wird sie niemals korrigiert. Es besteht überdies die Gefahr, daß in einem Augenblick der Unachtsamkeit das Verdrängte plötzlich ausbricht. Auf alle Fälle bildet es ein unbewußtes Hindernis, das die bestgemeinten Versuche zum Scheitern bringt."
Der Schatten läßt sich nicht ausrotten, wir sollten versuchen, ihn uns zum Freund zu machen.




Geschützter Raum

Eine jungianische Analyse ist ein dialektischer Prozeß, in welchem beide TeilnehmerInnen gleich betroffen sind und eine Interaktion eingehen. Bewußte und unbewußte Anteile treten in Beziehung zueinander und ermöglichen in dem geschützen Rahmen der therapeutischen Beziehung das Ausprobieren neuer Verhaltens- und Gefühlsmuster. Die therapeutische Beziehung unterliegt gesetzlich (PthG § 15) der Verschwiegenheitspflicht.




Projektionen

"Projektion bedeutet die Hinausverlegung eines subjektiven Vorganges in ein Objekt.; (...) sie spielt eine Hauptrolle bei der Paranoia (...) und kann zur Isolierung der Person führen."
Schwierige, meist unbewußte Gefühle und Eigenschaften (Schatten) einer Persönlichkeit werden bei anderen Menschen (äußeren Objekten) wahrgenommen und dort bekämpft. Dadurch erlebt das Individuum eine (vorübergehende) Erleichterung. Projektionen sind sowohl im Persönlich-Individuellen als auch im Politisch-Gesellschaftlichen häufig zu beobachten und zeigen den Anteil unbewußter Eigenschaften und Komplexe (einer Person oder Gesellschaft) auf.




Traum

Quelle: www.giger.comWie Freud verwendete auch Jung Assoziationen für das Verständnis der Träume. In Weiterentwicklung dessen Theorien variiert er diese Technik jedoch unter Berücksichtigung der Komplexe. Zur (persönlichen) Assoziation fügt sich die (allgemein - menschliche, archetypische) Amplifikation durch Mythen, Geschichten und anderes kulturelles Material. Traumsymbole können immer nur individuell verstanden und aufgelöst werden - nur die Träumerin / der Träumer kann diese Botschaften ihres / seines eigenen Unbewußten (im Zusammenspiel mit dem kollektiven Ubw.) entschlüsseln.


Quelle: Bretagne, CD
Aktive Imagination

und künstlerische Gestaltung unbewußten Materials sind integrativer Teil der Analytischen Psychologie. Sowohl das Gestalten mit Ton, Papier und anderen Materialien, als auch Zeichnen und Malen können Ausdruck unbewußter Nachrichten sein. Derart "veranschaulicht" ist die kompensatorische Funktion des Ubw. unserem Bewußtsein "mit allen Sinnen" zugänglich.




Archetypen

Der Archetyp ist ein psychosomatisches Konzept, das Körper und Seele, Instinkt und Bild miteinander verbindet. In der künstlerischen und psychischen Bildersprache nehmen sie Gestalt und Form an, als Verhaltensweisen können wir sie vor allem in Krisen beobachten. Mythen sind archetypische Inszenierungen, in welchen sich die Inhalte des kollektiven Unbewußten manifestieren (die Inhalte des persönlichen Ubw. sind hauptsächlich in den "Komplexen" erkennbar). Archetypen sind seit alters her vorhandene, allgemeine Bilder, die ihre Analogien auch in anderen Wissenschaften haben (z.B. Sheldrakes "morphogenetische Felder"). Beispiele für Archetypen sind: die Mutter, der alte Weise, der ewige Jüngling, der Trickster.